Ich habe im Chemiefaserwerk Premnitz als Glasbläser im Gebäude 021 gearbeitet. 7000 Leute waren hier beschäftigt.
Mit der ersten Betriebsbesetzung 1992 wurde die ‚Märkische Faser AG’ erst einmal gerettet. Premnitz hatte einen internationalen Ruf. Auch deshalb war es nicht so einfach, mit einem Male alles dichtzumachen.
Nach der Besetzung wurde das Werk in mehrere kleine Betriebsteile aufgesplittet. Als Erstes wurde der Betriebsteil mit der Acrylfaserproduktionsanlage dicht gemacht. Die war groß dimensioniert – und auch die modernste in Europa, das sie eine zu große Konkurrenz für BASF und Bayer darstellte. In den Jahren 1995 – 96 – 97 fing eine Entmischung an. Alle, die einen guten Beruf hatten oder einen Job woanders, sind hier weggezogen. Übrig blieben diejenigen, die es nicht weit bis zur Rente hatten – oder diejenigen, die einfach keinen Job finden konnten.
Schon mit der Glasbläserei hatte ich mich selbständig gemacht, als das Chemiewerk noch im Betrieb war. Aber mit dem ganzen Hin-und-Her konnte ich die Glasbläserei nicht mehr halten. Selbständig bin ich geblieben – hab immer wieder was gefunden.Und nun bin ich Fahrer bei der Bäckerei.