Geschichtengalerie

Bernd K.

Bernd K. im Interview:
Bernd K. | Eisenhüttenstadt | September 2020

Reich macht uns der Trödelhandel nicht. Und eigentlich war es auch nur Zufall, dass wir damit anfingen. Wir hatten damals ein altes Haus ausserhalb der Stadt gekauft, denn der Wohnraum in Eisenhüttenstadt waren knapp und unbezahlbar geworden. So fingen wir an, alles zu verkaufen, was in dem alten Haus noch herumstand.

Es ist ein Saisongeschäft, aber im Moment kommen wir gut über die Runden. Wie was weiter geht im Moment, das wissen wir nicht. Mein Sohn mit seiner Frau, und auch meine Frau helfen mit, und so ist der Trödelhandel ein Familienunternehmen geworden. Zusätzlich betreue ich die Wochenmärkte in der Stadt und in der Umgebung, und organisiere manchmal Feldküchen-Events*.Dreiundneunzig haben wir das Haus gekauft – und seit Achtundsechzig bin ich in Eisenhüttenstadt.

Wie die Meisten hier hab ichAbschluss 10. Klasse. Eine Ausbildung habe ich hier im EKO als Bautischler gemacht. Dann Armeedienst 4 Jahre – als Tastfunker. Danach Ausbildung zum Schlosser. Nach 2 Jahren hatte ich die die Berechtigung für alle Maschinen.

Dann kam irgendwann die Grosse Wende und die Frage von den Kollegen: "Na, du hast ja schon immer deine Meinung gesagt…" – und dann bin ich in den Betriebsrat gekommen. Der Instandhaltungsbereich wurde ausgegliedert – und durch den Verkauf musste ich aus dem Aufsichtsrat raus. Dann wurde alles aufgestückelt und ausgelagert.Von der Produktivität her konnte es ja auch nicht so weiter gehen. Aber deswegen war die DDR ja nicht schlecht. Ich war selber in der Partei damals* und bin 1988 noch ausgeschlossen worden – weil ich halt damals auch ein paar Sachen angesprochen hab.

Was ich meinen Kindern und Enkeln mit auf den Weg geben will? Nicht einfach vorschnell Schlüsse ziehen, auch mal mit anderen reden zu Problemen - nicht einfach losrennen und Bambule machen. Wenn ich sehe, wie Leute in anderen Ländern leben! Wie kaputt die Zivilgesellschaft in manchen Ländern ist, und wie alle Ressourcen dem Markt unterliegen. Und das will hier kaum jemand wissen. Und die wichtigen Sachen kommen heute in der Schulbildung kaum noch vor.*

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