Geschichtengalerie

Portraits

Monika & Wolfgang B.

Monika & Wolfgang B.

Monika & Wolfgang B. | Eisenhüttenstadt | November 2020

„Wir haben gleich gute Autos verkauft und die Leute nicht beschummelt. Heute sind die anderen Autohändler alle weg.“ Monika B.

Die Menschen in Eisenhüttenstadt kennen sie bis heute als „Eis-Ali“ aus der Milchbar ihrer Eltern.

Eigentlich ist Monika gelernte Fotografin. In den 1990ern stieg sie mit ihrem Mann in den Autohandel ein – ihre alte Liebe aber blieb die Eisdiele.

Matthias T.

Matthias T.

Matthias T. | Eberswalde | August 2020

„Im Sommer haben wir mit Sensen und Fahrrädern die Fernwärme Trassen frei geschnitten. Wir hatten ein Fahrzeug dafür, da gab es oft kein Sprit, weil der ELLO auch 35 Liter Benzin auf 100 km verbraucht hat.“ Matthias T.

In Finow machte er eine Lehre zum Fernwärmemonteur, dann musste Matthias zur NVA. Als die Dienstzeit vorbei war, wollte er etwas anderes machen und wurde Gärtner. Ende der 1980er kaufte er ein Haus in Eberswalde. Als Corona kam, verlor er seinen letzten Gewerbemieter – und muss jetzt alles verkaufen.

Herr R.

Herr R.

Herr R. | Forst | August 2020

„Wer damals mit dem eigenen Auto zur Arbeit gefahren ist, war dumm. Es gab überall öffentliche Verkehrsmittel.“ Herr R.

Auf dem Land geboren und aufgewachsen, wurde Herr R. Betonbaufacharbeiter in der DDR. Über lange Jahre brachte ihn die Bahn in aller Frühe an verschiedenste Arbeitsorte im Straßenbau. 1996 zog er nach Forst und begann er ein Leben in der Stadt - ohne Baustelle, und ohne Fünf-Uhr-Zug.

Am liebsten geht er heute in die Bibliothek.

Kerstin A.

Kerstin A.

Kerstin A. | Jüterbog | Juli 2021

„[Nach der Wende] bin ich in eine Anwaltskanzlei gegangen. Ich dachte, da arbeiten ehrliche Leute. Ich war geschockt, wie da gearbeitet wurde.“ Kerstin A.

Als die Mauer fiel, war Kerstin 22 Jahre alt. In der DDR hatte sie eine Lehre im Öffentlichen Dienst als Facharbeiterin für Schreibtechnik gemacht und war als Berufanfängerin in der Kreisverwaltung Jüterbog beschäftigt – bis zum Mauerfall. In den Wirren der nun folgenden Verwaltungsreformen und Einsparungsmassnahmen verliess sie die Verwaltung – und eröffnete mit ihrem westdeutschen Partner eine Anwaltskanzlei. Heute will sie beruflich noch einmal neu anfangen.

Bernd K.

Bernd K.

Bernd K. | Eisenhüttenstadt | September 2020

„Ich war selber in der Partei und bin 1988 noch ausgeschlossen worden – weil ich halt damals auch ein paar Sachen angesprochen hab‘.“ Bernd K.

Bernd hat viel gelernt und viel gearbeitet: Nach der Schule eine Ausbildung als Bautischler, dann vier Jahre in der NVA als Tastfunker, danach eine Ausbildung zum Maschinenschlosser.

Nach dem Mauerfall besuchte er wieder Fortbildungen – diesmal im Bereich Personalgestellung. Trotzdem ist er heute in keinem dieser Berufe tätig.

Uwe H.

Uwe H.

Uwe H. | Rathenow | August 2020

„Neu Zugezogene sehen Ihre Stadt positiver als Alteingesessene.“ Uwe H.

Geboren in Pirna, verschlug es den studierten Lehrer Anfang der 1990er Jahre nach Rathenow. Damals stellte das Land keine neuen Lehrkräfte ein – und er wurde Journalist.

Seitdem schreibt er. Aus der Region – für die Region.

Claudi & Otto

Claudi & Otto

Claudi & Otto | Forst | August 2020

„Forst ist die Stadt der hundert Türme.“ Claudi & Otto

Als Friseurin kam Claudi nach Forst – und traf Otto. In der alten Tuchmacherstadt tauchten die Beiden in eine lebendige und aufregende Musikszene in den verlassenen Gemäuern.

Aber das war vor fast 20 Jahren. Und nicht lange vorher hatte Ottos Großmutter noch als Spinnerin dort gearbeitet.

Heute sitzen die beiden oft am Mühlengraben – egal bei welchem Wetter.

Günter T. & Herr A.

Günter T. & Herr A.

Günter T. und Herr A. | Rathenow | August 2020

„Diese Haltung, unbedingt recht haben zu wollen, das sollte sich jeder beizeiten abgewöhnen. Das Recht folgt immer der jeweiligen Macht …“ Günter T.

Schon vor dem Krieg hat  Bäckermeister Thonke als Junge in der Backstube gestanden. Bis 1988 blieb er im Geschäft, dann führte Sohn die Bäckerei durch „Zeiten einer Wendung, wo die Einen gescheitert und die Anderen gewachsen“ sind.

Seinen Lebensabend gestaltet Günther Thonke mit dem Aufschreiben regionaler Geschichte – denn sie ist auch seine. Seit zwei Jahren muss er den Alltag jedoch ohne seine geliebte Frau bestreiten.

Uwe S.

Uwe S.

Uwe S. | Finsterwalde | November 2021

„Im Jahr 1997 wurde SERO platt gemacht, die gesamte Belegschaft wurde entlassen. Es hieß, das wäre eine DDR Erfindung – und das wird nicht mehr gebraucht.“

1980 fing Uwe beim SERO Altstoffhandel in Lübbenau an und behielt seinen Job auch nach der Wende – bis 1997 SERO zugemacht wurde. Seit 1991 fährt er Touristen mit dem Kahn durch den Spreewald. 2011 kaufte er sich einen alten Bahnhof – um dort sein Traumprojekt zu realisieren.

Torsten K.

Torsten K.

Torsten K. | Rathenow | August 2020

„Alle, die einen guten Beruf hatten oder einen Job woanders, sind hier weggezogen. Übrig blieben sind diejenigen, die es nicht weit bis zur Rente hatten.“ Torsten K.

Im Chemiefaserwerk Premnitz war er einer von 7.000 Beschäftigten und dort als Glasbläser tätig. Dann kam der Mauerfall – und das Werk wurde nach und nach aufgeteilt. Viele gingen, auch Torsten. Sein Weg führte in die Selbständigkeit.